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Frank A. Meyer, Sündenbock Internet

Frank A. Meyer lol
Foto: RDB/Sobli bearbeitet

Frank A. Meyer hat sich mit einem kurzen, aber heftigen und vor allem dummen Rundumschlag im Sonntagsblick wieder einmal unmöglich gemacht. Dass er Mobiltelefone und das Fernsehen nicht so mag und die Wikipedia als Schrott empfindet steht sogar in ebendieser, aber nun holt er auch noch gegen das Internet aus.

Das Globalisierungsmedium par excellence [er meint das Internet] hat aber auch neue Räume eröffnet – rechtsfreie Räume.

Immer dieses gleiche Argument… Aber trotzdem möchte ich es hier nochmals klarstellen: Es gibt keinen rechtsfreien Raum; Recht gilt überall, auch im Internet. Ob und wie es durchzusetzen ist, ist eine andere Frage, aber das Schweizer Recht gilt auch im Internet und zwar vollständig und uneingeschränkt!

Am gleichen Ort ist auch folgende Äusserung einzuordnen:

Schriftsteller und Musiker verlieren im Netz das Recht auf ihre Werke: Alles kann, alles darf heruntergeladen werden

NEIN! Überhaupt nichts kann und darf. Ja, es ist möglich Musik, Text und Film unbefugt herunterzuladen, aber man darf es nicht anbieten. Das heisst, jeglicher unbefugter Upload von urheberrechtsgeschütztem Materials ist nicht erlaubt und strafbar! Man „darf“ also nicht.

Frank A. Meyer bringt es sogar fertig das Internet und die Laptops für die Finanzkrise verantwortlich zu machen:

Die schöne neue Laptop-Welt befreite die Finanz­wirtschaft von Recht

[...] gesetzliche Regeln oder gar Schranken für den Internet-getriebenen Finanzkapitalismus [gibt es] erst recht nicht.

Über solche Äusserungen braucht man an sich gar nicht zu diskutieren; wer dies ernsthaft glaubt, hat grundlegendes nicht verstanden. Unser ganzes Finanzsystem beruht auf fiktiven Papieren und dies schon seit lange vor dem Internet. Schuldscheine sind so alt wie der Handel selbst. Finanzbetrüger, wie die jeweiligen UBS-Steuerberater oder Bernie Madoff brauchten für ihre Betrügereien das Internet nicht, im Gegenteil: Die reale Welt bietet genug Möglichkeiten.
Den Raubtier-Kapitalismus, den Frank A. Meyer ebenfalls den „Internefreaks“ zuschreibt, haben wir schon lange und er ist ein systemimmanentes Problem. Lasst uns doch das Internet einmal abschalten und sehen, was passiert… Gibt es dann keine Grossbanken mehr, welche Superreichen beim Steuerbetrug helfen? Sind die grossen Konzerne, welche die dritte Welt ausbeuten dann Geschichte? Nein; denn es ist nicht das Internet, es ist unser System, das so ist.

Modernität ist kein Argument, Jugend schon gar nicht.

Aber Konservativismus und eine „So war es schon immer“-Haltung sind Argumente?

Jugend war stets das Zauberwort für Systemstürzer von rechts und links.

Ja und diese Systemstürzer waren stets jene, die die Gesellschaft längerfristig weiterbrachten. Die Französische Revolution, das waren keine 65jährigen Frank A. Meyers, welche den König stürzten. Gleiches gilt für jede gesellschaftliche Veränderung. Ohne Jugend, keine Veränderung.

Im Grossen und Ganzen habe ich das Gefühl, Frank A. Meyer sucht einen Sündenbock für alles, was nach seiner Meinung in unsere Gesellschaft falsch läuft und er hat ihn im Internet gefunden. Dieses bildet nämlich in einer gewissen Weise tatsächlich unsere Gesellschaft ab.