Nach der Hundeattacke in Schaffhausen und als Hundebesitzer in Schaffhausen, will ich mich auch mal zum Thema äussern. Spezieller Zünder war diesmal: Dieser Blogpost auf swiss-lupe.blogspot.com
Das Hierarchieverhalten eines „normalen Hundes“:
Die Hierarchie ist in der Erziehung eines Hundes eine zentrale Angelegenheit. Bei guter Erziehung ist der Hund in der Rangordnung, bezogen auf Menschen, das unterste Glied. Dies braucht einem nicht leid zu tun; Hunde mögen es, eine klare Stellung in der Hierarchie zu besitzen, auch wenn diese ganz unten liegt.
Problematisch wird es nun, auch bei gut erzogenen Hunden, wenn es um Kinder geht. Säugling/Kleinkinder stehen aus der Sicht des Hundes klar unter ihm und es kommt zu keinen Konflikten. Wenn das Kind dann anfängt zu gehen und körperlich dem Hund aus dessen Sicht ebenbürtig wird, beginnt die gefährlichere Zeit. Der Hund ist dann durch das Kind viel leichter zu provozieren, da er um seine Stellung fürchtet. Natürlich gibt es auch hier Methoden, welche der Besitzer anwenden kann um dem Hund klar zu machen, dass das Kind ebenfalls über ihm steht und der Hund somit wieder Klarheit im Bezug auf die Hierarchie hat. Es gibt beispielsweise Hunde, welche viel Zeit in Schulen verbringen und von hunderten 7 bis 12 jährigen bestürmt werden ohne denen etwas zu tun.
Jeder Hund, ob eine „Kampfhund-Rasse“ oder nicht kann zu einem solchen Optimalverhalten hinerzogen werden ; es braucht einfach ein wenig Fachkenntnis und vor allem viel Zeit. Natürlich gibt es Rassen, welche schwerer zu erziehen sind als andere; es ist nicht so, dass “Kampfhunde” schwerer zu erziehen sind als andere, sondern vielfach hat man mit kleinen Hunden einen grösserer Mühe mit der Erziehung.
Der „abnormale“ Hund:
Jeder Hund kann nun von diesem Optimum abweichen. So kann es durch Misserziehung passieren, dass der Hund sowohl mental als auch physisch nicht genug beschäftigt oder gar häufig eingesperrt oder geschlagen wird und er daher aus Langeweile oder Hilflosigkeit Aggression entwickelt.
Zudem kann es bei schlechter Erziehung eines Hundes auch vorkommen, dass er sich nicht an das oben beschriebene Hirarchiemuster hält und nicht weiss, wo er steht. Beispielsweise habe ich schon Leute getroffen, welche von ihren Hunden nicht mehr auf‘s Sofa gelassen wurden. Eine solch unklare Hierarchie löst beim Hund ebenfalls Unsicherheit und Aggression aus.
Die bösen Kampfhunde?
„Kampfhunde“, wie es in der Presse gerne heisst, sind Hunde mit stärkeren Gebissen als andere. Es ist klar, dass grössere Verletzungen entstehen, wenn ein Bullterrier zubeisst, als wenn dies ein Pudel tut. Trotzdem stellt sich die Frage, ob man Kampfhunde nun einfach verbieten soll, nur weil gewisse Menschen unfähig sind Hunde im Allgemeinen zu halten. Genauso wie alle Hunde, sind auch Kampfhunde im generellen liebe Tiere und werden von schlechten Haltern zur Aggression hinerzogen. (Ich empfehle hier mal auf youtube nach “pitbull” und “baby” zu suchen.)
Es herrscht die Politik: „Aus den Augen aus dem Sinn“
Wie bei der ganzen Zensursula-Geschichte ist auch hier festzustellen, dass die Politik die Problem mit primitivsten Mitteln aus den Augen schaffen will. Verbietet man so genannte Kampfhunde, wird es nicht weniger aggressive Hunde geben, sondern andere aggressive Hunde. Diejenigen Leute, welche jetzt einen schlecht erzogenen und gefährlichen „Kampfhund“ besitzen, werden danach einen schlecht erzogenen und gefährlichen andern Hund besitzen. Gewonnen hat man dadurch fast nichts, denn auch andere Hunde (Bsp. Deutscher Schäfer) können richtig fest zubeissen, obwohl sie nicht als „Kampfhunde“ gelten. Eventuell wären die Verletzungen durch Hundeattacken ein bisschen weniger schlimm, da die kräftigsten Beisser unter den Hunden nicht mehr erlaubt wären, aber die Zahl aggressiver Hunde würden nicht abnehmen.
Kampfhunde zu verbieten ist dasselbe, als würde man aus sicherheitstechnischen Gründen grosse Autos verbieten, anstatt unsorgfältiges Fahren mit allen Autos zu bekämpfen. Die Anzahl der unsorgfältigen Fahrer würde zwar nicht sinken, aber die Folgen aus deren Unfällen wären eventuell nicht ganz so verheerend. Wenn man aber die Zahl der schlechten Halter durch Tests und Kurse reduzieren könnte, wäre dies viel sinnvoller und genau das wäre bei den Hunden möglich.
Es geht auch um Tierschutz:
Natürlich geht es auch um Tierschutz. Hunde, welche Menschen einfach so angreifen und zu Tode beissen sind keine glücklichen Hunde. Wie oben schon geschrieben, sind die meisten verwirrt, verängstigt oder ähnliches und greifen so zur Aggression als letztes Mittel. Jeder dieser aggressiven Hunde ist auch ein unglücklicher Hund und dies egal, ob er ein „Kampfhund“ oder ein Pudel ist. Deshalb muss auch eine andere Konsequenz gezogen werden, als ein Verbot von „Kampfhunden“, welches nur dazu führt, dass man das wirkliche Problem (nämlich die Halterkontrolle) nicht mehr löst.
Fazit und zum Schluss:
Ich meine also, dass ein Verbot im Bezug auf die Schwere von Hundebissen eine eventuelle Erleichterung bringt, aber die Anzahl der aggressiven und unglücklichen Hunde nicht verringert. Die Verbots-Politik führt dazu, dass nach Inkrafttreten eines solchen Verbots die Verletzungen nicht mehr so schwer sind und sich die Politik nicht mehr um die Thematik kümmert, anstatt eine griffige Haltekontrolle einzuführen. Damit wäre nämlich sowohl den Hunden als auch den Menschen mehr geholfen, als mit einem populistischen Verbot.
Nachtrag: Einen (ebenfalls?) guten Artikel aus Hundehaltersicht könnt ihr auch bei silversnowflake.net lesen; zwar bin ich, wie immer, nicht mit allem einverstanden, aber er drückt die Problematik klar aus.