Monthly Archive for August, 2009

Frank A. Meyer, Sündenbock Internet

Frank A. Meyer lol
Foto: RDB/Sobli bearbeitet

Frank A. Meyer hat sich mit einem kurzen, aber heftigen und vor allem dummen Rundumschlag im Sonntagsblick wieder einmal unmöglich gemacht. Dass er Mobiltelefone und das Fernsehen nicht so mag und die Wikipedia als Schrott empfindet steht sogar in ebendieser, aber nun holt er auch noch gegen das Internet aus.

Das Globalisierungsmedium par excellence [er meint das Internet] hat aber auch neue Räume eröffnet – rechtsfreie Räume.

Immer dieses gleiche Argument… Aber trotzdem möchte ich es hier nochmals klarstellen: Es gibt keinen rechtsfreien Raum; Recht gilt überall, auch im Internet. Ob und wie es durchzusetzen ist, ist eine andere Frage, aber das Schweizer Recht gilt auch im Internet und zwar vollständig und uneingeschränkt!

Am gleichen Ort ist auch folgende Äusserung einzuordnen:

Schriftsteller und Musiker verlieren im Netz das Recht auf ihre Werke: Alles kann, alles darf heruntergeladen werden

NEIN! Überhaupt nichts kann und darf. Ja, es ist möglich Musik, Text und Film unbefugt herunterzuladen, aber man darf es nicht anbieten. Das heisst, jeglicher unbefugter Upload von urheberrechtsgeschütztem Materials ist nicht erlaubt und strafbar! Man „darf“ also nicht.

Frank A. Meyer bringt es sogar fertig das Internet und die Laptops für die Finanzkrise verantwortlich zu machen:

Die schöne neue Laptop-Welt befreite die Finanz­wirtschaft von Recht

[...] gesetzliche Regeln oder gar Schranken für den Internet-getriebenen Finanzkapitalismus [gibt es] erst recht nicht.

Über solche Äusserungen braucht man an sich gar nicht zu diskutieren; wer dies ernsthaft glaubt, hat grundlegendes nicht verstanden. Unser ganzes Finanzsystem beruht auf fiktiven Papieren und dies schon seit lange vor dem Internet. Schuldscheine sind so alt wie der Handel selbst. Finanzbetrüger, wie die jeweiligen UBS-Steuerberater oder Bernie Madoff brauchten für ihre Betrügereien das Internet nicht, im Gegenteil: Die reale Welt bietet genug Möglichkeiten.
Den Raubtier-Kapitalismus, den Frank A. Meyer ebenfalls den „Internefreaks“ zuschreibt, haben wir schon lange und er ist ein systemimmanentes Problem. Lasst uns doch das Internet einmal abschalten und sehen, was passiert… Gibt es dann keine Grossbanken mehr, welche Superreichen beim Steuerbetrug helfen? Sind die grossen Konzerne, welche die dritte Welt ausbeuten dann Geschichte? Nein; denn es ist nicht das Internet, es ist unser System, das so ist.

Modernität ist kein Argument, Jugend schon gar nicht.

Aber Konservativismus und eine „So war es schon immer“-Haltung sind Argumente?

Jugend war stets das Zauberwort für Systemstürzer von rechts und links.

Ja und diese Systemstürzer waren stets jene, die die Gesellschaft längerfristig weiterbrachten. Die Französische Revolution, das waren keine 65jährigen Frank A. Meyers, welche den König stürzten. Gleiches gilt für jede gesellschaftliche Veränderung. Ohne Jugend, keine Veränderung.

Im Grossen und Ganzen habe ich das Gefühl, Frank A. Meyer sucht einen Sündenbock für alles, was nach seiner Meinung in unsere Gesellschaft falsch läuft und er hat ihn im Internet gefunden. Dieses bildet nämlich in einer gewissen Weise tatsächlich unsere Gesellschaft ab.

Die „Pandemie“ in den Schulen

Über die Schweinegrippe-TV-Spots habe ich ja schon geschrieben. Nun erreicht die Panik offiziell die Schulen und Lehrer. Diese werden mit „verbindlichen Richtlinien“ und „Merkblätter“ beworfen. Zusammengefasst sind diese eine Haufen Panik zusammen mit blindem Aktionismus. Ich möchte aber trotzdem die schönsten Perlen aus den insgesamt 5 PDF‘s herauspicken.

  1. Schüler und Lehrer, heisst es da, sollen doch zuhause bleiben, wenn sie Grippesymptome verspüren. Gültige Symptome wären:

    38 Grad Fieber oder höher plus noch eines der folgenden Symptome:

    • Schüttelfrost, Muskel-, Kopf- oder Gelenkschmerzen
    • Halsschmerzen, Husten und Schnupfen
    • ausgeprägtes Krankheits- und Schwächegefühl
    • besonders bei Kleinkindern Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

    Ich frage mich, ob wir schon in einer solchen Leistungsgesellschaft leben, dass 38 Grad Fieber an sich, bei normaler Grippelage, nicht schon ein Grund ist, zuhause zu bleiben. Geschweige denn jetzt, wo doch alle die Pandemie herbeireden.

  2. Desinfektionsmittel ist nicht nötig.

    Was für ein Glück! Ich dachte schon, wir müssten jeden Schüler am Eingang dekontaminieren.

  3. Und auf dem Merkblatt „Wie wäscht man sich die Hände richtig?“ wird nebst der ausgeklügelten Händewasch-Technik auch erklärt, wann man sich die Hände waschen soll:
    • {…}
    • wenn man schmutzige Hände hat.

    Aha…

  4. Übrigens:

    Bei schwerer Erkrankung solltet ihr euch beim Arzt melden!

    Aber nur während der Pandemie; sonst nicht. Denkt an die Gesundhitskosten!

Es ist mir klar, dass ich hier polemisiere und nicht allzu objektive kommentiere, aber zur Erinnerung: An der Schweinegrippe sterben momentan weniger Menschen als an anderen Grippen. Sie ist vorläufig ungefährlich.
Klar, sie könnte mutieren, aber was könnte sonst nicht alles geschehen. (Man denke an Atomkraftwerke, etc…) Logisch, Notfallpläne auszuarbeiten ist sinnvoll, aber ist es nicht viel zu früh, diese anzuwenden? Und wer mir jetzt noch mit dem Argument kommt, dass es der Wirtschaft schade, wenn ein Drittel der Schweiz ein paar Tage krank wird, dem kann ich nur sagen: „Na und? Lebe ich für die Wirtschaft?“ NEIN! Mit einer solchen Argumentation könnte man die 70-Stundenwoche einführen und alle Arbeitnehmeranliegen abschmettern. Wie Kim zu sagen pflegt: „Die Wirtschaft ist für die Menschen da, nicht wir für sie! So sollte es zumindest sein.“
Zudem kommt, dass sich dir Grippe doch sowieso ausbreitet, wenn sie mal in einer Schule angekommen ist. Da ist nichts zu machen und gerade bei den Kindern ist es doch nicht schlimm, wenn sie mal krank werden. Im Gegenteil; ganz nach dem Motto „Was einem nicht umbringt, macht stark“ ist es ein Faktum, dass man nicht “gesunder” ist, wenn man nie krank wird. Das Immunsystem braucht auch die Krankheiten. (Yin und Yang und so…)

Die Zitate habe ich sinngemäss wiedergegeben und teilweise vom Wortlaut her leicht “verfälscht”, darum hier alle PDF’s komplett:

Kampfhundeverbot

Nach der Hundeattacke in Schaffhausen und als Hundebesitzer in Schaffhausen, will ich mich auch mal zum Thema äussern. Spezieller Zünder war diesmal: Dieser Blogpost auf swiss-lupe.blogspot.com

Das Hierarchieverhalten eines „normalen Hundes“:
Die Hierarchie ist in der Erziehung eines Hundes eine zentrale Angelegenheit. Bei guter Erziehung ist der Hund in der Rangordnung, bezogen auf Menschen, das unterste Glied. Dies braucht einem nicht leid zu tun; Hunde mögen es, eine klare Stellung in der Hierarchie zu besitzen, auch wenn diese ganz unten liegt.
Problematisch wird es nun, auch bei gut erzogenen Hunden, wenn es um Kinder geht. Säugling/Kleinkinder stehen aus der Sicht des Hundes klar unter ihm und es kommt zu keinen Konflikten. Wenn das Kind dann anfängt zu gehen und körperlich dem Hund aus dessen Sicht ebenbürtig wird, beginnt die gefährlichere Zeit. Der Hund ist dann durch das Kind viel leichter zu provozieren, da er um seine Stellung fürchtet. Natürlich gibt es auch hier Methoden, welche der Besitzer anwenden kann um dem Hund klar zu machen, dass das Kind ebenfalls über ihm steht und der Hund somit wieder Klarheit im Bezug auf die Hierarchie hat. Es gibt beispielsweise Hunde, welche viel Zeit in Schulen verbringen und von hunderten 7 bis 12 jährigen bestürmt werden ohne denen etwas zu tun.
Jeder Hund, ob eine „Kampfhund-Rasse“ oder nicht kann zu einem solchen Optimalverhalten hinerzogen werden ; es braucht einfach ein wenig Fachkenntnis und vor allem viel Zeit. Natürlich gibt es Rassen, welche schwerer zu erziehen sind als andere; es ist nicht so, dass “Kampfhunde” schwerer zu erziehen sind als andere, sondern vielfach hat man mit kleinen Hunden einen grösserer Mühe mit der Erziehung.

Der „abnormale“ Hund:
Jeder Hund kann nun von diesem Optimum abweichen. So kann es durch Misserziehung passieren, dass der Hund sowohl mental als auch physisch nicht genug beschäftigt oder gar häufig eingesperrt oder geschlagen wird und er daher aus Langeweile oder Hilflosigkeit Aggression entwickelt.
Zudem kann es bei schlechter Erziehung eines Hundes auch vorkommen, dass er sich nicht an das oben beschriebene Hirarchiemuster hält und nicht weiss, wo er steht. Beispielsweise habe ich schon Leute getroffen, welche von ihren Hunden nicht mehr auf‘s Sofa gelassen wurden. Eine solch unklare Hierarchie löst beim Hund ebenfalls Unsicherheit und Aggression aus.

Die bösen Kampfhunde?
„Kampfhunde“, wie es in der Presse gerne heisst, sind Hunde mit stärkeren Gebissen als andere. Es ist klar, dass grössere Verletzungen entstehen, wenn ein Bullterrier zubeisst, als wenn dies ein Pudel tut. Trotzdem stellt sich die Frage, ob man Kampfhunde nun einfach verbieten soll, nur weil gewisse Menschen unfähig sind Hunde im Allgemeinen zu halten. Genauso wie alle Hunde, sind auch Kampfhunde im generellen liebe Tiere und werden von schlechten Haltern zur Aggression hinerzogen. (Ich empfehle hier mal auf youtube nach “pitbull” und “baby” zu suchen.)

Es herrscht die Politik: „Aus den Augen aus dem Sinn“
Wie bei der ganzen Zensursula-Geschichte ist auch hier festzustellen, dass die Politik die Problem mit primitivsten Mitteln aus den Augen schaffen will. Verbietet man so genannte Kampfhunde, wird es nicht weniger aggressive Hunde geben, sondern andere aggressive Hunde. Diejenigen Leute, welche jetzt einen schlecht erzogenen und gefährlichen „Kampfhund“ besitzen, werden danach einen schlecht erzogenen und gefährlichen andern Hund besitzen. Gewonnen hat man dadurch fast nichts, denn auch andere Hunde (Bsp. Deutscher Schäfer) können richtig fest zubeissen, obwohl sie nicht als „Kampfhunde“ gelten. Eventuell wären die Verletzungen durch Hundeattacken ein bisschen weniger schlimm, da die kräftigsten Beisser unter den Hunden nicht mehr erlaubt wären, aber die Zahl aggressiver Hunde würden nicht abnehmen.
Kampfhunde zu verbieten ist dasselbe, als würde man aus sicherheitstechnischen Gründen grosse Autos verbieten, anstatt unsorgfältiges Fahren mit allen Autos zu bekämpfen. Die Anzahl der unsorgfältigen Fahrer würde zwar nicht sinken, aber die Folgen aus deren Unfällen wären eventuell nicht ganz so verheerend. Wenn man aber die Zahl der schlechten Halter durch Tests und Kurse reduzieren könnte, wäre dies viel sinnvoller und genau das wäre bei den Hunden möglich.

Es geht auch um Tierschutz:
Natürlich geht es auch um Tierschutz. Hunde, welche Menschen einfach so angreifen und zu Tode beissen sind keine glücklichen Hunde. Wie oben schon geschrieben, sind die meisten verwirrt, verängstigt oder ähnliches und greifen so zur Aggression als letztes Mittel. Jeder dieser aggressiven Hunde ist auch ein unglücklicher Hund und dies egal, ob er ein „Kampfhund“ oder ein Pudel ist. Deshalb muss auch eine andere Konsequenz gezogen werden, als ein Verbot von „Kampfhunden“, welches nur dazu führt, dass man das wirkliche Problem (nämlich die Halterkontrolle) nicht mehr löst.

Fazit und zum Schluss:
Ich meine also, dass ein Verbot im Bezug auf die Schwere von Hundebissen eine eventuelle Erleichterung bringt, aber die Anzahl der aggressiven und unglücklichen Hunde nicht verringert. Die Verbots-Politik führt dazu, dass nach Inkrafttreten eines solchen Verbots die Verletzungen nicht mehr so schwer sind und sich die Politik nicht mehr um die Thematik kümmert, anstatt eine griffige Haltekontrolle einzuführen. Damit wäre nämlich sowohl den Hunden als auch den Menschen mehr geholfen, als mit einem populistischen Verbot.

Nachtrag: Einen (ebenfalls?) guten Artikel aus Hundehaltersicht könnt ihr auch bei silversnowflake.net lesen; zwar bin ich, wie immer, nicht mit allem einverstanden, aber er drückt die Problematik klar aus.