SVP Par Excellence

Man lasse sich mal folgendes Zitat von Oskar Freysinger (Arena 12.02.2010) auf der Zunge zergehen und stelle sich vor, er beziehe sich nicht auf den Tierschutz, sondern auf Gewalt-und Sexualdelikte. Er wäre zum “Linken” geworden.

…und die krasse Fäll {er meint krasse Tierschutzgesetzverstöße} sind jo meistens d‘Problemfäll, wo ihr nid mit dere Drohig {er meint die Androhung harter Strafen} lösed; das sind effektiv schwierigi Sozialfäll; das sind Drogesüchtigi, das sind Lüt, wo irgendwo Alkoholproblem hend, Lüüt, wo völlig us jedem Rahme fallend und do chönd ihr no so viel Gfängnis vorgseh; das bringt nix!

Minarettverbot

Minarettplakat

Seit nun einigen Wochen wird heftig über die “Minarett-Initiative” diskutiert. Die SVP und die EDU wollen mit der Initiative den Bau von Minaretten in der Schweiz verbieten. Nachdem zu einem älteren Artikel ein undifferenzierter und für mich völlig unhaltbarer Kommentar geschrieben wurde und ich mich schon länger mit dem Thema befasse, hier im Folgenden meine Gedanken zu einem allfälligen Minarettverbot. (Ich habe mich schon in einem früheren Artikel anlässlich des Minarettverbots den radikalen Christen gewidmet.)

Minarettverbot, ein Einschränkung der Religionsfreiheit?

Ob das Minarettverbot eine Einschränkung in die Religionsfreiheit darstellt, interessiert mich nicht, da ich so oder so ein Gegner eines entsprechendes Verbots bin. Die Frage aber, ob es in die Religionsfreiheit eingreifen würde, ist für mich klar mit „Ja“ zu beantworten. Fraglich wäre jedoch für mich, ob ein solcher Eingriff vertretbar wäre, da es sich immerhin um einen basisdemokratisch entstandenen Entscheid handeln würde.

Minarett verbieten, damit die Demokratie eingehalten wird

Die Argumentation für ein Minarettverbot ist mehr als krude; mehrfach wird von den Befürwortern betont, dass es um die Schweizerische Demokratie geht; Christian Waber argumentiert mehrfach, das das Initiativrecht ein grundlegendes demokratisches Recht der Schweiz sei und es darum gehe, das die Muslime dies akzeptieren. Dazu meine ich, dass weder Muslime noch Christen bestreiten, dass man Initiativen (wie auch die vorliegende) ergreifen darf, aber die Initiative nur darum anzunehmen, um den Muslimen zu zeigen, wie demokratisch wir sind, ist haarsträubend. Mit gleicher Argumentation könnte man irgendetwas verbieten, damit irgendwem klar wird, dass die Gesetze in unserem Land einzuhalten sind.

Minarettverbot als Integrationshilfe?

Zitat Lukas Reimann (Club):

Ein Minarett ist ein klares Symbol für jeden Einwanderer; er muss sich hier an die Grundregeln halte, er muss sich hier an die Verfassung halten und das versteht jeder.

Unsere Rechtsordnung gilt für alle, sowohl für Christen und Muslime als auch für alle anderen. Ich bin ein totaler Fan der Schweiz und glaube, wie wohl auch Lukas Reimann, dass die Schweiz eines der fortschrittlichsten und demokratischsten Länder ist und für andere ein Vorbild darstellt. Und genau darum meine ich, dass jeder, der in die Schweiz einwandert dies erkennen wird und sich über kurz oder lang über seine dazugewonnen Rechte freut. Ich habe, anscheinend im Gegensatz zu Lukas Reimann, Vertrauen in unsere Demokratie und auch in unsere Exekutive, dass sie geltendes Recht in der Schweiz durchsetzten kann.

Minarett als Zeichen für Machtanspruch?

Oftmals wird von den Initiativbefürworten auch argumentiert, dass das Minarett ein Zeichen des Machtanspruchs des Islams sei und, dass damit die Extremisten unter den Muslimen gefördert werden. Es ist doch aber offensichtlich, dass man mit Diskriminierung und solchen Verboten den Extremismus schürt.
Zum Minarett als Machrsymbol ist zu sagen, dass es wohl stimmt; jedes Gebäude ist in gewisser Weise ein Zeichen der Kultur und der Menschen, die dahinter stehen und diese wollen sich auch in der Ferne ein Stück ihrer Kultur und Identifikation bewahren. Nun ist aber doch fraglich, ob die Muslime in der Schweiz nicht einen berechtigten „Machtanspruch“ haben. Ist es nicht unsere grandiose Demokratie, welche allen Mitspracherecht gewährt?
Das wahre Problem hinter dieser Initertive scheint zu sein, dass die eingewanderte Muslime langsam zu Schweizer werden und damit auch ihre Rechte wahrnehmen und an unsere Gesellschaft mitgestalten wollen. Damit kommen die Initianten nicht klar, da sie immer noch in ihrer, längst überholten, Wahrnehmung der Schweiz verhaftet sind.

Die Argumente betreffend Ausland…

…sind total irrelevant.(Ausnahmsweise bin ich mit den Initianten einig.) Wir sind ein demokratisches, eigenständiges Land, das in für Neutralität und Selbstbestimmung in der Welt bekannt, und der hohen Freiheit seiner Bürger wegen, auch geschätzt wird. Ob wir nun ein Minarettverbot beschließen oder nicht, wird unsere Stellung im Ausland wohl nicht großartig verändern und auch ich finde, (wie Oskar Freisinger,) dass ein Land nicht regiert werden kann, wenn bei jeder Entscheidung immer auf die eventuelle Reaktion des Auslands abgestellt wird.

Die Arena zum Thema
Der Club zum Thema
Foto von Pelegon.

Wir Schweizer, wir Christen

Wir Schweizer, wir Christen

Da die Minarettinitiative vor der Türe steht und ich mich ausgiebig damit befasst habe, bin ich in Diskussionen immer wieder auf die EDU und andere radikalen Christen gestoßen und jedes Mal, wenn ich einen davon in religiösem Kontext reden höre, frage ich mich, warum die überhaupt noch jemand wählt. Die Meinung, dass das Christentum die einzige und wahre Weisheit besitzt dringt immer wieder durch und stößt bei mir sauer auf.

Exemplarisch dafür ist Christian Waber. Dieser meint in der Arena zur Minarettinitiative beispielsweise, dass unsere demokratischen und freiheitlichen Werte nur dadurch entstehen konnten, indem “mir üs vo dem Geist vom Allmächtige lö loh besunne”. Das finde ich lächerlich. Ich habe absolut nichts gegen Religionen, aber wenn sie einen solchen Absolutheitsanspruch haben, sind sie nicht nur lächerlich, sondern auch extrem gefährlich. Waber impliziert mit dieser Aussage nämlich, dass das Christentum weit erhaben über allen anderen Religionen steht und eine Demokratie mit muslimischen Glauben niemals möglich wäre. Dabei vergisst er anscheinend, dass in der Vergangenheit Folter, absolute Herrscher, Hexenverbrennung und ähnliches auch auf dem christlichen Mist gewachsen ist.

Ab und an stosse ich bei Christen auf solche Meinungen. Auch andere Befürworter der Minarettinitiative lassen durchblicken, dass die muslimische Gesellschaft einfach noch nicht so weit sei wie wir Christen. Problematisch dabei finde ich nicht, dass man sagt, dass die Demokratie der Schweiz eine extrem gute Staatsform ist und die absolutistischen Gottesstaaten überragt. Dass diese „Rückständigkeit“ einiger Staatsformen, unter welchen Muslime teilweise leben müssen, durch den Islam hervorgerufen wurde, ist so unlogisch, wie zu behaupten es liege an der Hautfarbe.

Menschen sind bei Geburt alle ähnlich und werden durch ihr Umfeld geformt. Man müsste sich auch überlegen, ob der Westen mit seiner Kolonialpolitik und seiner Profitgier in der restlichen Welt nicht einen Hass und eine Hoffnungslosigkeit geschürt hat, die die Menschen in den Extremismus trieb und immer noch treibt. Natürlich rechtfertigt dies den Extremismus nicht, aber es ist eventuell ein Lösungsansatz; ganz im Gegensatz zur „Waber-Lösung“, nämlich die Verteufelung des Islams.

Foto von Pedro Nunez

ich und #unsereunibern

unsereunibern

Da ich heute gestern das erste Mal in der besetzten Aula der Uni Bern war und davon auch einiges getwittert habe, möchte ich mich kurz dazu äußern.
Ich bin zwar Student an der Uni Bern, bin aber seit der Besetzung am Dienstag nicht mehr dort gewesen und erst heute gestern dazugekommen, mir das Ganze mit eigenen Augen anzusehen; hier ein kurzer Bericht meiner Eindrücke:

Ich sympathisiere grundsätzlich mit den Zielen der Aktion #unsereunibern, die Uni wieder unabhängiger zu machen und von der Verschulung und der Gleichschaltung durch Bologna wieder ein wenig weg zukommen. Auch bin ich gegen (hohe) Studiengebühren und gegen die absolutistische elitäre Haltung, die an den Universität gerne propagiert wird.
Trotzdem konnte ich mich heute gestern mit der ganzen Art, wie die Aktion verlief nicht wirklich anfreunden. Ich finde es zwar bewundernswert, dass in der besetzten Aula wirklich engagiert und aktiv diskutiert und auch gearbeitet wird, aber ich hatte doch das Gefühl, das die Luft ein wenig raus war und die Besetzung nur noch von ein paar wenigen (im Vergleich zur ganzen Studentenschaft) geführt wird. Dies liegt wohl zum einen daran, dass der Enthusiasmus nach 2-tägiger Besetzung schon ein wenig abgenommen hat, aber auch daran, dass doch eine Mehrheit der Studenten der Uni Bern der Besetzung kritisch bis missgünstig gegenüberstehen. Das war in den Diskussionen, welche ich mitverfolgt habe, auch eindeutig zu spüren; immer wieder wurde aufgeworfen, was man doch tun oder lassen könnte, um auch die Wirtschafts- und Rechtsstudenten(als plakatives Beispiel) für die Besetzung zu gewinnen. Das ganze mutete zeitweise an, wie eine eine große und ein wenig chaotische Parteileitung, welche den Untergang ihrer Partei zu vermeiden suchte.
Es bleibt bei mir ein fahler Nachgeschmack, nicht zuletzt wegen der 90-minütigen Diskussion darüber, ob die Aula nun auf Ende Woche geräumt werden sollte oder nicht.
Zum Schluss muss ich doch sagen, dass ich mir eigentlich wünsche, dass mehr Studenten hinter einer solchen Aktion stehen würden, aber da dies leider nicht der Fall ist, scheint mir die Aktion nur einen klein Einfluss auf das tatsächliche politische Geschehen zu haben und bald vorüber zu sein.
Trotzdem hoffe ich weiter, dass wir von der Ökonomisierung des Bildungssystems wieder wegkommen und auch der durchschnittliche Jura- oder Wirtschaftsstudent (als plakatives Beispiel) sich des Wertes des selbständigen und kritischen Studierens bald wieder bewusst wird.

2 Bemerkung, damit ich fein raus bin:
1.Der ganze Artikel beruht darauf, dass ich heute gestern über Mittag eine und am Abend 4 Stunden in der besetzten Aula verbracht habe.
2.Ich bin Jurastudent.

Ueli Mäder zum Grundeinkommen und zu vielem mehr

Und wiedermal freuen wir uns darüber, dass DRS alle selbst produzierten Sendungen online stellt. Diesmal ist es ein grandioser Focus unter dem Titel „Ueli Mäder: «Mindesteinkommen für alle»“.
Ganz so einfach verläuft aber dann das Gespräch zwischen Ueli Mäder und dem Moderator Hannes Hug nicht; Mäder fordert zwar zu Beginn eine Art Grundeinkommen (auch wenn er das Grundeinkommen nicht als Lösung empfindet), aber das Gespräch geht noch weiter und mäandriert in angenehmer Weise quer durch die sozialen Gegebenheiten unseres Landes. Sehr hörenswert und jedem zu empfehlen:
Focus vom 26.10.2009 mit Ueli Mäder

Der Fall Polanski

Der Regisseur Roman Polanski wurde am 26.09.09 bei der Einreise in die Schweiz verhaftet, für ein Delikt, das er über 30 Jahre zuvor in den USA begangen hatte. Diese Verhaftung gibt international zu reden und stösst auf viel Kritik.

Die Verhaftung war rechtlich legitim:

Die Verhaftung von Polanski war das einzig Richtige was die Schweiz tun konnte. Vom rechtlichen Standpunkt aus gesehen, war sie verpflichtet, ihn festzunehmen. Wir haben nämlich ein Abkommen mit den USA, wie auch mit vielen andern Staaten, und auch wenn Deutschland oder Frankreich Polanski nicht festnahmen und damit Völkerrechtsbruch begingen, ist dies keine Rechtfertigung für die Schweiz es ihnen nachzutun. Ob die Verhaftung nun politisch sinnvoll war oder nicht, darüber scheiden sich die Geister.

Schweizer Schaden

Oftmals wird nun argumentiert, die ganze Aktion sei ein Fehler gewesen und schade dem internationalen Ruf der Schweiz. Andererseits behaupten die gleichen Leute, man hätte sich mit der Verhaftung nur bei den USA gut stellen wollen. Meiner Meinung nach, bringt sie weder Schaden noch Nutzen für die Schweiz. Es ist klar, einige Künstler oder Staaten sind mit der Verhaftung nicht zufrieden, aber die Schweiz ist rechtlich auf er sicheren Seite und die USA wird eventuell sogar dankbar sein, obwohl ich weder glaube, dass diese Verhaftung die USA-Schweiz-Beziehungen verändern wird, noch das die ganze Aktion durchgeführt wurde, um der USA zu gefallen. Mir scheint eher, dass die korrekten Schweizer Beamten ihren Job so gemacht haben, wie es sich gehört.

Gleiches Recht für alle

Die Schweiz hat mit der Verhaftung nicht, wie viele sagen, vor den USA gekuscht, sondern im Vergleich zu andern europäischen Ländern Mut gezeigt, auch prominente und angesehene Persönlichkeiten so zu behandeln, wie es das Recht vorschreibt. Sicher ist die Phrase „Gleiches Recht für alle“ eine abgedroschene, aber es ist ein grundlegendes Prinzip unseres Rechtsverständnisses. Klar ist, dass wenn dies einem unbekannten Menschen passiert wäre, die Öffentlichkeit wohl nie davon erfahren hätte und wir nie auf die wirklichen Missstände hingewiesen worden wären:

Das wahre Problem: Unverjährbarkeit

Der wahre Missstand nämlich ist, dass Sex mit Minderjährigen, was in den USA als Vergewaltigung gilt, nicht verjährt und auch in der Schweiz seit der Annahme der Unverjährbarkeitsinitiative vor knapp einem Jahr unverjährbar ist (rechtlich noch umstritten, da es in der Formulierung des Gesetz “Kind” heisst).

Ich bin klar dagegen, dass Polanski heute, nach nunmehr 32 Jahren und nachdem ihm sogar sein Opfer vergeben hat, noch bestraft wird. Die Strafe würde nichts mehr bringen, ausser eine Befriedigung der gesellschaftlichen Rachelust, welche, wie man aus aktuellen Medienberichten entnehmen kann, gar nicht so gross zu sein scheint. Polanski würde aus einer Haft-oder Geldstrafe zum jetzigen Zeitpunkt wohl kaum noch Lehren ziehen; dafür ist es einfach zu lange her.

Dass mit der Unverjährbarkeitsinitiative, Sexualstraftaten an Kindern gleichgestellt werden mit Völkermord, Kriegsverbrechen oder schwersten terroristischen Straftaten ist ein Hohn, denn wer eine dieser Straftaten begeht, kann dies nicht einfach aus einer Laune heraustun, sondern braucht lange Vorbereitung rsp. muss die Tat über eine längere Zeit ausführen. Zudem ist das Leiden der Gesellschaft grösser, wenn einer Völkermord begeht, als wenn einer Sex mit einer Minderjährigen hat. Natürlich ist Kindsmissbrauch etwas grauenhaftes, aber ist es wirklich auf eine Stufe zu stellen mit Tötung und Verstümmelung von zehntausenden Menschen? Ich glaube nicht.

Die Unverjährbarkeit bei Sexualdelikten mit Minderjährigen (in den USA) oder mit Kindern (in der Schweiz) ist total unverhältnismässig und genau dies zeigt uns der Polanski-Fall. Darum finde ich es wichtig, dass man trotz seines „Promi-Status“, die Verhaftung nach Schweizer und internationalem Recht korrekt durchgezogen hat und dies nicht nur bei „kleinen Fischen“ tut, wo es niemanden interessiert.

Der Fehler der Schweiz

Die Schweiz hat, wenn überhaupt, nur einen Fehler begangen, der da wäre, dass sie Polanski nicht schon früher verhaftete. Zwar ging der internationale Haftbefehl erst 2005 raus, aber seitdem soll sich Polanski anscheinend oftmals in der Schweiz aufgehalten haben. Sollte dies so sein und sollten die Behörden jahrelang einfach weggeschaut haben (evntuell sogar mit Polanskis Wissen), vermittelten sie ihm damit eine falsche Sicherheit.

Ich glaube aber unserem Bundesrat, dass Polanski bisher einfach nicht offiziell einreiste und der Staat nichts von seiner Anwesenheit wusste. Darüber bin ich eigentlich auch ganz froh, denn diese Aussage zeigt doch, dass der Schweizer Staat seine Bürger nicht andauernd überwacht.

Mein Beitrag zur Couchepin-Ersatz-Wahl

Da ich jetzt doch seit über einen Monat nicht mehr geblogged habe, setze ich mich Arena hörend hin und schreibe meinen Beitrag zu den morgigen Bundesratswahlen.

Wie immer, bei solchen Themen, ist mir die Arena und das ganze Diskutieren mit Strategien und Heimlichkeiten im Hinterkopf zuwider. Ich denke, das Ganze ist einfach zu lösen. Ich bin nämlich ein totaler Konkordanz-Fan und habe daher folgendes zu sagen:

Die SVP kommt immer wieder mit dem Blocher hinäfürä und tut so, als ob sie tatsächlich noch einen Sitz verdient hätte, aber dieses Mal aus Goodwill auf ihn verzichtet. Das ist doch lächerlich; von der SVP wurden 2 Leute gewählt und sie kann 2011 eventuell auf Eveline Widmer-Schlumpf‘s Sitz Anspruch erheben. Aber man kann nicht seine Bundesräte aus der Partei ausschliessen und danach von anderen Parteien Sitze fordern. Dass die SVP die FDP unterstützt, finde ich, dagegen logisch und auch eine gangbare, konkordante Lösung.

Die FDP möchte ihren Sitz verteidigen. Diese Strategie finde ich gerechtfertigt, denn je nach dem, wie man rechnet, hat die FDP einen Anspruch auf den Sitz. Sie hatte bei der letzten Parlamentswahl mehr Wählerstimmen als die CVP.

Die CVP erhebt ebenfalls Anspruch auf den Sitz von Couchepin und dies je nach Rechenart auch zu Recht. Wenn man den Ständeräten einen höheren „Wert“ zuweist, als den Nationalräten, kommt man zum Ergebnis, dass die CVP „mehr Anspruch“ hat, als die FDP; und die Ständeräte sind ja auch „mächtiger“ als die Nationalräte.

Die SP-Strategie hingegen verkommt bei Bundesratswahlen immer mehr zu einem hinterlistig Manöver à la Wyss. Man hält sich bedeckt und wählt dann irgendjemanden oder doch nicht, oder doch… Das ist sehr traurig. Dabei wäre die Taktik im aktuellen Fall ganz klar. Christian Levrat hat in der Arena klipp und klar gesagt, dass der strittige Sitz eigentlich den Grünen zusteht, da diese wählerprozentemässig immer näher an CVP und FDP herankommen. Da aber die Grünen wohl auf eine Kandidatur verzichten, sollte die SP doch denjenigen wählen, der von den Grünen vorgeschlagen wird. Und das wäre dann wohl Urs Schwaller. Damit hätte die SP die Konkordanz mehr als eingehalten und ihr wäre nichts vorzuwerfen.

Die Grünen sollten, meiner Meinung nach, einen eigenen Kandidaten stellen. Auch wenn es aussichtslos ist, wäre dies doch ein Zeichen, dass die Grünen ernsthaft Anspruch auf einen der „Mitte-Sitze“ erheben. Zwar hätte dieser Kandidat wohl die Unterstützung der SP, würde aber dennoch nicht gewählt werden; obwbohl…-schliesslich liess sich Fulvio Pelli in der oben genannten Arena tatsächlich zum folgendem Satz hinreissen: “Es wäre vielleicht vernünftiger gewesen über einen Grünen zu sprechen, weil es gibt mindestens 10 Prozent der Leute, die Grün wählen {…}”

Fazit: Urs Schwaller wird Bundesrat und das zu Recht, da sowohl FDP, CVP als auch die Grünen nach Konkordanz einen Anspruch auf den Sitz geltend machen können und die Grünen wie auch die CVP schlussendlich Urs Schwaller unterstützen werden.

Frank A. Meyer, Sündenbock Internet

Frank A. Meyer lol
Foto: RDB/Sobli bearbeitet

Frank A. Meyer hat sich mit einem kurzen, aber heftigen und vor allem dummen Rundumschlag im Sonntagsblick wieder einmal unmöglich gemacht. Dass er Mobiltelefone und das Fernsehen nicht so mag und die Wikipedia als Schrott empfindet steht sogar in ebendieser, aber nun holt er auch noch gegen das Internet aus.

Das Globalisierungsmedium par excellence [er meint das Internet] hat aber auch neue Räume eröffnet – rechtsfreie Räume.

Immer dieses gleiche Argument… Aber trotzdem möchte ich es hier nochmals klarstellen: Es gibt keinen rechtsfreien Raum; Recht gilt überall, auch im Internet. Ob und wie es durchzusetzen ist, ist eine andere Frage, aber das Schweizer Recht gilt auch im Internet und zwar vollständig und uneingeschränkt!

Am gleichen Ort ist auch folgende Äusserung einzuordnen:

Schriftsteller und Musiker verlieren im Netz das Recht auf ihre Werke: Alles kann, alles darf heruntergeladen werden

NEIN! Überhaupt nichts kann und darf. Ja, es ist möglich Musik, Text und Film unbefugt herunterzuladen, aber man darf es nicht anbieten. Das heisst, jeglicher unbefugter Upload von urheberrechtsgeschütztem Materials ist nicht erlaubt und strafbar! Man „darf“ also nicht.

Frank A. Meyer bringt es sogar fertig das Internet und die Laptops für die Finanzkrise verantwortlich zu machen:

Die schöne neue Laptop-Welt befreite die Finanz­wirtschaft von Recht

[...] gesetzliche Regeln oder gar Schranken für den Internet-getriebenen Finanzkapitalismus [gibt es] erst recht nicht.

Über solche Äusserungen braucht man an sich gar nicht zu diskutieren; wer dies ernsthaft glaubt, hat grundlegendes nicht verstanden. Unser ganzes Finanzsystem beruht auf fiktiven Papieren und dies schon seit lange vor dem Internet. Schuldscheine sind so alt wie der Handel selbst. Finanzbetrüger, wie die jeweiligen UBS-Steuerberater oder Bernie Madoff brauchten für ihre Betrügereien das Internet nicht, im Gegenteil: Die reale Welt bietet genug Möglichkeiten.
Den Raubtier-Kapitalismus, den Frank A. Meyer ebenfalls den „Internefreaks“ zuschreibt, haben wir schon lange und er ist ein systemimmanentes Problem. Lasst uns doch das Internet einmal abschalten und sehen, was passiert… Gibt es dann keine Grossbanken mehr, welche Superreichen beim Steuerbetrug helfen? Sind die grossen Konzerne, welche die dritte Welt ausbeuten dann Geschichte? Nein; denn es ist nicht das Internet, es ist unser System, das so ist.

Modernität ist kein Argument, Jugend schon gar nicht.

Aber Konservativismus und eine „So war es schon immer“-Haltung sind Argumente?

Jugend war stets das Zauberwort für Systemstürzer von rechts und links.

Ja und diese Systemstürzer waren stets jene, die die Gesellschaft längerfristig weiterbrachten. Die Französische Revolution, das waren keine 65jährigen Frank A. Meyers, welche den König stürzten. Gleiches gilt für jede gesellschaftliche Veränderung. Ohne Jugend, keine Veränderung.

Im Grossen und Ganzen habe ich das Gefühl, Frank A. Meyer sucht einen Sündenbock für alles, was nach seiner Meinung in unsere Gesellschaft falsch läuft und er hat ihn im Internet gefunden. Dieses bildet nämlich in einer gewissen Weise tatsächlich unsere Gesellschaft ab.

Die „Pandemie“ in den Schulen

Über die Schweinegrippe-TV-Spots habe ich ja schon geschrieben. Nun erreicht die Panik offiziell die Schulen und Lehrer. Diese werden mit „verbindlichen Richtlinien“ und „Merkblätter“ beworfen. Zusammengefasst sind diese eine Haufen Panik zusammen mit blindem Aktionismus. Ich möchte aber trotzdem die schönsten Perlen aus den insgesamt 5 PDF‘s herauspicken.

  1. Schüler und Lehrer, heisst es da, sollen doch zuhause bleiben, wenn sie Grippesymptome verspüren. Gültige Symptome wären:

    38 Grad Fieber oder höher plus noch eines der folgenden Symptome:

    • Schüttelfrost, Muskel-, Kopf- oder Gelenkschmerzen
    • Halsschmerzen, Husten und Schnupfen
    • ausgeprägtes Krankheits- und Schwächegefühl
    • besonders bei Kleinkindern Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

    Ich frage mich, ob wir schon in einer solchen Leistungsgesellschaft leben, dass 38 Grad Fieber an sich, bei normaler Grippelage, nicht schon ein Grund ist, zuhause zu bleiben. Geschweige denn jetzt, wo doch alle die Pandemie herbeireden.

  2. Desinfektionsmittel ist nicht nötig.

    Was für ein Glück! Ich dachte schon, wir müssten jeden Schüler am Eingang dekontaminieren.

  3. Und auf dem Merkblatt „Wie wäscht man sich die Hände richtig?“ wird nebst der ausgeklügelten Händewasch-Technik auch erklärt, wann man sich die Hände waschen soll:
    • {…}
    • wenn man schmutzige Hände hat.

    Aha…

  4. Übrigens:

    Bei schwerer Erkrankung solltet ihr euch beim Arzt melden!

    Aber nur während der Pandemie; sonst nicht. Denkt an die Gesundhitskosten!

Es ist mir klar, dass ich hier polemisiere und nicht allzu objektive kommentiere, aber zur Erinnerung: An der Schweinegrippe sterben momentan weniger Menschen als an anderen Grippen. Sie ist vorläufig ungefährlich.
Klar, sie könnte mutieren, aber was könnte sonst nicht alles geschehen. (Man denke an Atomkraftwerke, etc…) Logisch, Notfallpläne auszuarbeiten ist sinnvoll, aber ist es nicht viel zu früh, diese anzuwenden? Und wer mir jetzt noch mit dem Argument kommt, dass es der Wirtschaft schade, wenn ein Drittel der Schweiz ein paar Tage krank wird, dem kann ich nur sagen: „Na und? Lebe ich für die Wirtschaft?“ NEIN! Mit einer solchen Argumentation könnte man die 70-Stundenwoche einführen und alle Arbeitnehmeranliegen abschmettern. Wie Kim zu sagen pflegt: „Die Wirtschaft ist für die Menschen da, nicht wir für sie! So sollte es zumindest sein.“
Zudem kommt, dass sich dir Grippe doch sowieso ausbreitet, wenn sie mal in einer Schule angekommen ist. Da ist nichts zu machen und gerade bei den Kindern ist es doch nicht schlimm, wenn sie mal krank werden. Im Gegenteil; ganz nach dem Motto „Was einem nicht umbringt, macht stark“ ist es ein Faktum, dass man nicht “gesunder” ist, wenn man nie krank wird. Das Immunsystem braucht auch die Krankheiten. (Yin und Yang und so…)

Die Zitate habe ich sinngemäss wiedergegeben und teilweise vom Wortlaut her leicht “verfälscht”, darum hier alle PDF’s komplett:

Kampfhundeverbot

Nach der Hundeattacke in Schaffhausen und als Hundebesitzer in Schaffhausen, will ich mich auch mal zum Thema äussern. Spezieller Zünder war diesmal: Dieser Blogpost auf swiss-lupe.blogspot.com

Das Hierarchieverhalten eines „normalen Hundes“:
Die Hierarchie ist in der Erziehung eines Hundes eine zentrale Angelegenheit. Bei guter Erziehung ist der Hund in der Rangordnung, bezogen auf Menschen, das unterste Glied. Dies braucht einem nicht leid zu tun; Hunde mögen es, eine klare Stellung in der Hierarchie zu besitzen, auch wenn diese ganz unten liegt.
Problematisch wird es nun, auch bei gut erzogenen Hunden, wenn es um Kinder geht. Säugling/Kleinkinder stehen aus der Sicht des Hundes klar unter ihm und es kommt zu keinen Konflikten. Wenn das Kind dann anfängt zu gehen und körperlich dem Hund aus dessen Sicht ebenbürtig wird, beginnt die gefährlichere Zeit. Der Hund ist dann durch das Kind viel leichter zu provozieren, da er um seine Stellung fürchtet. Natürlich gibt es auch hier Methoden, welche der Besitzer anwenden kann um dem Hund klar zu machen, dass das Kind ebenfalls über ihm steht und der Hund somit wieder Klarheit im Bezug auf die Hierarchie hat. Es gibt beispielsweise Hunde, welche viel Zeit in Schulen verbringen und von hunderten 7 bis 12 jährigen bestürmt werden ohne denen etwas zu tun.
Jeder Hund, ob eine „Kampfhund-Rasse“ oder nicht kann zu einem solchen Optimalverhalten hinerzogen werden ; es braucht einfach ein wenig Fachkenntnis und vor allem viel Zeit. Natürlich gibt es Rassen, welche schwerer zu erziehen sind als andere; es ist nicht so, dass “Kampfhunde” schwerer zu erziehen sind als andere, sondern vielfach hat man mit kleinen Hunden einen grösserer Mühe mit der Erziehung.

Der „abnormale“ Hund:
Jeder Hund kann nun von diesem Optimum abweichen. So kann es durch Misserziehung passieren, dass der Hund sowohl mental als auch physisch nicht genug beschäftigt oder gar häufig eingesperrt oder geschlagen wird und er daher aus Langeweile oder Hilflosigkeit Aggression entwickelt.
Zudem kann es bei schlechter Erziehung eines Hundes auch vorkommen, dass er sich nicht an das oben beschriebene Hirarchiemuster hält und nicht weiss, wo er steht. Beispielsweise habe ich schon Leute getroffen, welche von ihren Hunden nicht mehr auf‘s Sofa gelassen wurden. Eine solch unklare Hierarchie löst beim Hund ebenfalls Unsicherheit und Aggression aus.

Die bösen Kampfhunde?
„Kampfhunde“, wie es in der Presse gerne heisst, sind Hunde mit stärkeren Gebissen als andere. Es ist klar, dass grössere Verletzungen entstehen, wenn ein Bullterrier zubeisst, als wenn dies ein Pudel tut. Trotzdem stellt sich die Frage, ob man Kampfhunde nun einfach verbieten soll, nur weil gewisse Menschen unfähig sind Hunde im Allgemeinen zu halten. Genauso wie alle Hunde, sind auch Kampfhunde im generellen liebe Tiere und werden von schlechten Haltern zur Aggression hinerzogen. (Ich empfehle hier mal auf youtube nach “pitbull” und “baby” zu suchen.)

Es herrscht die Politik: „Aus den Augen aus dem Sinn“
Wie bei der ganzen Zensursula-Geschichte ist auch hier festzustellen, dass die Politik die Problem mit primitivsten Mitteln aus den Augen schaffen will. Verbietet man so genannte Kampfhunde, wird es nicht weniger aggressive Hunde geben, sondern andere aggressive Hunde. Diejenigen Leute, welche jetzt einen schlecht erzogenen und gefährlichen „Kampfhund“ besitzen, werden danach einen schlecht erzogenen und gefährlichen andern Hund besitzen. Gewonnen hat man dadurch fast nichts, denn auch andere Hunde (Bsp. Deutscher Schäfer) können richtig fest zubeissen, obwohl sie nicht als „Kampfhunde“ gelten. Eventuell wären die Verletzungen durch Hundeattacken ein bisschen weniger schlimm, da die kräftigsten Beisser unter den Hunden nicht mehr erlaubt wären, aber die Zahl aggressiver Hunde würden nicht abnehmen.
Kampfhunde zu verbieten ist dasselbe, als würde man aus sicherheitstechnischen Gründen grosse Autos verbieten, anstatt unsorgfältiges Fahren mit allen Autos zu bekämpfen. Die Anzahl der unsorgfältigen Fahrer würde zwar nicht sinken, aber die Folgen aus deren Unfällen wären eventuell nicht ganz so verheerend. Wenn man aber die Zahl der schlechten Halter durch Tests und Kurse reduzieren könnte, wäre dies viel sinnvoller und genau das wäre bei den Hunden möglich.

Es geht auch um Tierschutz:
Natürlich geht es auch um Tierschutz. Hunde, welche Menschen einfach so angreifen und zu Tode beissen sind keine glücklichen Hunde. Wie oben schon geschrieben, sind die meisten verwirrt, verängstigt oder ähnliches und greifen so zur Aggression als letztes Mittel. Jeder dieser aggressiven Hunde ist auch ein unglücklicher Hund und dies egal, ob er ein „Kampfhund“ oder ein Pudel ist. Deshalb muss auch eine andere Konsequenz gezogen werden, als ein Verbot von „Kampfhunden“, welches nur dazu führt, dass man das wirkliche Problem (nämlich die Halterkontrolle) nicht mehr löst.

Fazit und zum Schluss:
Ich meine also, dass ein Verbot im Bezug auf die Schwere von Hundebissen eine eventuelle Erleichterung bringt, aber die Anzahl der aggressiven und unglücklichen Hunde nicht verringert. Die Verbots-Politik führt dazu, dass nach Inkrafttreten eines solchen Verbots die Verletzungen nicht mehr so schwer sind und sich die Politik nicht mehr um die Thematik kümmert, anstatt eine griffige Haltekontrolle einzuführen. Damit wäre nämlich sowohl den Hunden als auch den Menschen mehr geholfen, als mit einem populistischen Verbot.

Nachtrag: Einen (ebenfalls?) guten Artikel aus Hundehaltersicht könnt ihr auch bei silversnowflake.net lesen; zwar bin ich, wie immer, nicht mit allem einverstanden, aber er drückt die Problematik klar aus.